B2 Boutique Hotel + Spa: Bericht der Gestalter

Donnerstag, 1. März 2012, B2 Boutique Hotel + Spa


B2 Boutique Hotel + Spa: Bericht der Gestalter
In einem der bedeutendsten Industriedenkmäler der Stadt Zürich - der ehemaligen Hürlimann Brauerei – wurde ein Boutique Hotel mit 60 Zimmern und Suiten, einer Library Lounge, zwei Boardrooms und einer direkten Anbindung an das erste Thermalbad der Stadt eröffnet.

Zürich, Februar 2012

Die denkmalgeschützten Gebäudeteile der Anlage wurden in ihrer 130 jährigen und spannenden Brauereigeschichte mehrfach umgebaut und umgenutzt. Die Konzeption und Gestaltung des Hotels folgt den räumlichen und strukturellen Vorgaben des Bestandes. Entsprechend können drei Szenarien für die Umnutzung unterschieden werden: umbauen (des Sudhauses) - aufbauen (auf der Maschinenhalle) - einbauen (im Kühlschiff).

umbauen
Das Sudhaus liegt auf der Anhöhe des Sihlberges mitten in der Stadt und dominiert das ehemalige Brauereiareal. Die Verschmelzung der diversen baugeschichtlichen Phasen dieses Bauwerkes lässt sich an der Fassade heute gut ablesen. Betritt man die grosszügige Hotelhalle, ziehen die drei überhöhten Kathedralfenster der ehemaligen Sudhalle den Gast in die Tiefe des Raumes, hin zur heutigen Library. Dort türmen sich - in Schwindel erregender Höhe - 33 000 Bücher in einem Wandfutter aus Räuchereiche und bilden, zusammen mit den drei imposanten Flaschenlüstern, den Rahmen für eine gepflegte Gastlichkeit. Schweift der Blick in die Höhe, streift er drei hohe, befensterte Regalnischen. Dahinter lässt sich der spektakuläre Boardroom im ersten Obergeschoss erahnen. Der Gast betritt die Zimmergeschosse über ein offenes Foyer, in dessen Zentrum ein skulpturaler Sichtbetonkörper die Aufmerksamkeit auf sich zieht und Orientierung schafft. Die darin präzise gesetzten Fenster geben den Blick frei in das Innere des Lichtkörpers, das sich vom 1. OG bis hinauf in das Dach spannt. Er ist das verbindende Element von Hotel und Bad in der Binnenzone des Sudhauses. In seiner Basis mündet die plastisch gestaltete Raumskulptur in den Boardroom. Darin widerspiegelt der kantige Konferenztisch die erratische Gestalt des Lichtkörpers, inmitten einer schweren textilen Hülle aus rotem Samt. Die Einteilung der Zimmer folgt pragmatisch dem Duktus der bestehenden Fassadenfenster. Daraus ergeben sich individuelle Zuschnitte der Gästezimmer, mit ihren eigenen Proportionen und Stimmungen. Gemeinsam ist ihnen die eingebaute Badebox, welche durch ihre partiellen Verglasungen den Wohnraum vergrössert. Die moderne Gestalt der Badebox kontrastiert bewusst traditionell eingesetzte Materialien, wie die textile Wandbespannung aus Stramin oder die wertigen Böden aus geölter Eiche. Zusammen mit ausgewählten Fundstücken aus der Geschichte, schaffen sie Anklänge an die Epoche der Gründerzeit und späteren Blütezeiten der alten Brauerei.

aufbauen
Die für Zürich einmalige, denkmalgeschützte Maschinenhalle mit dem erhaltenen, ehrwürdigen Maschinenpark ist Zeuge der stolzen Brauereigeschichte. Sie wird über zwei alte Oberlichter erhellt. Diese Laternen bilden die beiden Höfe innerhalb der modernen, leichten Aufstockung des Maschinenhauses. Die umlaufenden Hotelflure führen den Besucher immer wieder überraschend an diese Lichthöfe, deren Böden mit schimmernden, grünen Flaschenscherben bedeckt sind. Sie bilden einen komplementären Farbkontrast zum auffallend roten, aus historischen Fotovorlagen entwickelten Läufer. Die Zimmer der Aufstockung sind geprägt durch die grossen Fenster, die durch markante Eichenzargen eingefasst sind. Mächtige, vorgesetzte Schiebeläden mit aufgesetzten Lamellen steuern Ausblicke und Beschattung und generieren unterschiedliche Lichtstimmungen. Die Aufstockung differenziert sich über diese Materialität von der historischen Maschinenhalle, schafft aber gleichzeitig Bezüge zum benachbarten Kühlschiff mit seinen charakteristischen Eisenlamellen.

einbauen
Zwischen dem Sudhaus und seinem Nachbargebäude spannt sich eine imposante, überbaute Brückenkonstruktion: das Kühlschiff. Hier wurde früher die Bierwürze nach dem Sud abgekühlt. In diesen fantastischen, winddurchströmten Hallen wurde die Erweiterung des Hotelangebotes als spezifisches "Haus-in-Haus"- Thema realisiert. Die acht grossen Suiten addieren sich zu zwei langen "Reihenhäusern". Sie lösen sich baulich komplett von der bestehenden Hülle und machen die Hallen mit ihrer kühnen Stahlstruktur durch präzise architektonische Interventionen weiterhin erlebbar. Das Thema der Haus in Haus Konstruktion findet auch in der inneren Bespielung der Suiten seinen Widerhall. In ihre offene Raumstruktur wird ein kompakter Körper eingeschrieben, der alle zudienenden Funktionen einer Suite enthält. Seine homogene Materialisierung in Eiche unterstützt die optische Loslösung des Ausbaues von seiner Hülle. Der Wohnraum erweitert sich über den Zwischenraum von Appartement zu Kühlschifffassade. Der Gast blickt durch die geöffneten Lamellen auf die Stadt und geniesst ein Draussen im Drinnen.

Die Grundhaltung, Gestaltungsansätze aus der Fülle der bestehenden, denkmalgeschützten Substanz zu entwickeln, liess eine einzigartige, authentische Hotelatmosphäre entstehen.


Margrit Althammer, René Hochuli, Ushi Tamborriello
Bauherr und Investor: PSP Swiss Property, Zürich
Betrieb: Turicum Hotel Management AG, Zürich
Totalunternehmer: MLG Generalunternehmung AG, Bern
Architektur: Althammer Hochuli Architekten ETH SIA BSA, Zürich
Innenarchitektur: ushitamborriello, Innenarchitektur & Szenenbild, Baden